Die Geschichte und Geschichten des Hauses

Im Jahre 1468 begann die Geschichte und die Geschichten dieses Hauses.

Abgesehen von diesem Haus war 1468 kein unbedeutendes Jahr.

Heinrich der I, späterer Herzog zu Braunschweig-Lüneburg und auch Paul III, Papst von 1534-1549 wurden geboren.

Johannes von Gutenberg, der Erfinder des Buchdruckes starb, ebenfalls Jean de Dunois, Großkämmerer von Frankreich und Kampfgefährte von Jeanne d‘ Arc.

Ob alle folgenden Texte wahr sind, lässt sich nicht mehr genau belegen, da ich es nicht geschafft habe noch lebende Zeitzeugen zu finden.

Wahr sind allerdings die Jahreszahlen zur Baugeschichte und Größe dieses Gebäudes. (Bauaufnahme und Beobachtungen zur Baugeschichte von Prof. Thumm)

Ebenso die von Malermeister Behrens, die von Walter Maciejewski stammen und für den Hildesheimer Heimatkalender 2004 aus dem Verlag Gerstenberg geschrieben wurde.

Händler und Gastwirt Heinrich ist frei erfunden, könnte aber so gewesen sein.

Das Haus im Brühl 31, ist mit 12 Fach Breite und 9Fach Tiefe, etwa 17m auf 14 m im auskragenden Obergeschoß, ein ungewöhnlich großes Fachwerkhaus. Das Haus spiegelt dem Typ des großen, traufständigen, spätmittelalterlichen Bürgerhaustyp dar. Auch die Zierformenfolgen niederdeutschen Fachwerkstraditionen der Zeit um 1500, was es nach meinen Vorstellungen zu einem Haus eines wohlhabenden Händlers mit seinem Gesinde macht.

Nennen wir den Händler Heinrich, der frühzeitig die gute Lage dieses Grundstücks in der Nähe des Domes, der anderen Kirchen und des Klosters erkannte. Die Geschäfte liefen sehr gut und Hildesheim wuchs stetig, was Heinrich auf die Idee brachte ein Gasthaus für die Durchreisenden zu eröffnen. Im Hinterhof baute er eine kleine Herberge und im Vorderhaus, vielleicht genau dort wo Sie jetzt sitzen wurde vor über 500 Jahren auch schon Gegessen und Getrunken.

Kurz gesagt Heinrich starb im damaligen hohen Alter von 76 Jahren. Seine Kinder und Enkelkinder führten das Geschäft weiter und bauten im Jahr 1556 um und erweiterten das Haus im Jahr 1563 nach Süden hin, wo das heutige Nachbarhaus steht. Das Haus ist dann leider einige Jahrhunderte in Vergessenheit geraten.

Die bunten Windbretter an der Außenseite des Gebäudes zeigen ornamental malerische Motive unter anderem Fächerrosetten. Dem Vernehmen nach stehen sie in der Tradition der Ausmalung, die ein im Hause wohnender, mit seiner Werkstatt im Hofgebäude eingerichteter Maler mehrfach ausgeführt hat.

Dieser Malermeister der um 1900 von der Johannisstraße 1368 in den Brühl 31 gezogen ist war Franz Behrens der bis zu seinem Tode 1924 dort wohnen blieb. Er war ein Hildesheimer Original mit Spitznamen Preischen, ein lustiger Sangesbruder der immer zu Späßen und Dönekens aufgelegt war, die er sich einiges kosten ließ.

So berichtet der Chronist:

Preischen Behrens sitzt wieder einmal in fideler Stammtischrunde. Eine Wette wird abgeschlossen. Preischen will einen Mann, der allerdings nur ein Männlein ist, in einer Kiepe am helllichten Tage zum Moritzberg tragen. Auf der Dammstraße wird Preischen die Last allerdings beschwerlich, und als er an der Brücke anlangt, setzte er die Kiepe auf das Geländer. Da protestiert das Männlein, so hätten sie nicht gewettet. Preischen lehnt sich zurück und die Trage neigt sich bedenklich über die Innerste. Den Gnom packt die Angst. Mit heller Stimme zetert er: Hilfe, ich falle ins Wasser! Die Wette gewann Behrens noch.

Einen anderen Scherz erlaubte sich Behrens einmal mit dem Wirt seiner Stammkneipe. Verärgert über das schlechte Pflaster im Hof, (damals musste man zum Plumpsklo noch über den Hof) bestellte Behrens ohne Wissen des Wirtes Patthöker (Steinsetzer), die in aller Herrgottsfrühe das Pflaster aufreißen und erneuern mussten. Der Wirt der das Hämmern der Handwerker vernimmt, tritt schlaftrunken ans Fenster und glaubt seinen Augen nicht zu trauen.

Der Urgroßvater von Herrn Maciejewski, Louis Kersten betrieb in der Neustadt den „Römischen Kaiser“, die spätere Wollenweber Schänke und soll ein Kauz gewesen sein. Wenn er keine Lust hatte, dann wurde die Kneipe einfach zugeschlossen, schließlich verdiente er morgens von 5 bis 6 Uhr mit Schnapsverkauf ausreichend. Eines Nachts kam Preischen mit einer fröhlichen Truppe vom Singen und man hatte noch Durst. Der Weg zum Brühl führte am „Römischen Kaiser“ vorbei. Auf ständiges Klopfen, die Wirtschaft zu öffnen, reagierte der Urgroßvater von Herrn Maciejewski nicht. Was heckte die Truppe um Preischen aus?

Still und leise schlichen sie sich davon, holten die Feuerspritze und eine Leiter. Preischen kletterte nach oben, bollerte ans und drohte mit Löschwasser das Schlafzimmer unter Wasser zu setzen, wenn Louis nicht unverzüglich die Haustür aufschlösse.

Dass Preischen um Späße nie verlegen war, wussten seine Sangesbrüder. So ist er wegen einer Wette, mit einem Pferd vor der Biertheke im „Römischen Kaiser“ erschienen. Damals gab es noch „Ölve für ne Mark“ und den 13. Halben gratis, denn Ludchen Kersten war ein abergläubischer Mensch.

Die „Brockenfahrt“, dieses Kabinettstückchen Hildesheimer Humors, grenzt bereits an das Reich der Fabel, so will es uns heute erscheinen.

Die Sangesbrüder machen einen Vatertagsausflug mit der Brockenbahn hinauf zum Brocken. Preischen kann nicht mit. Warum nicht, ist nicht bekannt. Vielleicht hat er den frühen Zug verpasst. Was macht der Mann mit dem Schalk im Nacken? Er ruft beim Brockenwirt an und gibt sich als Direktor der „Heil- und Pflegeanstalt Hildesheim“, der damaligen Sülte aus und erzählt dem verdutzten Wirt, einige Krankenpfleger seien mit mehreren Verrückten auf einer Ausflugstour zum Brocken unterwegs. Auf keinen Fall dürfen diese Kranken Alkohol zu trinken bekommen, war der Auftrag an den Wirt. Er, der Direktor – so hatte Preischen sich vorgestellt – käme später nach. Als die Hildesheimer Sangesbrüder dort oben ankommen, werden sie erst einmal in eine Abseitsecke verfrachtet. Und als sie Bier bestellen, bekommen sie Milch vorgesetzt. Und als sie Schnaps haben wollen, da wird Ihnen, als wäre es selbstverständlich, Limonade vorgesetzt. Das ist der Gruppe natürlich zu viel. Fäuste donnern auf die Tische, man rebelliert. Da glaubt der Wirt doch tatsächlich, dass es sich um die Verrückten aus Hildesheim handelt und versucht, sie zu beschwichtigen. Ohne Alkohol sitzen sie da, bis endlich Preischen eintrifft. Unter dem Gelächter der Wandertruppe löst Preisch3en das Rätsel, weshalb es kein Bier und Schnaps gegeben Hat. Dass dieser recht derbe Jux mindestens eine Runde gekostet hat, war klar. Aber das ist es dem Spaßvogel wert gewesen.

In welchem Jahre vor dem Ersten Weltkrieg sich dieser Streich zugetragen hat, konnte nicht ermittelt werden.

Franz „Preischen“ Behrens wurde 1844 in Hildesheim geboren, lernte das Malerhandwerk und zog als Malermeister um die Jahrhundertwende in den Brühl 31. Ab 1910 wird er im Adressbuch 1910 als Privatier aufgeführt und stirbt im hohen Alter von 80 Jahren am 17. Oktober 1924. Auf dem Magdalenenfriedhof wurde er bestattet.

Ach gäbe es doch heute noch das ein oder andere Original, wir wären in unserer profitgierigen Zeit um einiges reicher.

In den nächsten 70 Jahren wurde an dem Haus nichts angewandt außer in Sanitäranlagen und Strom. Bis sich dann in den 90 Jahren ein neuer Besitzer fand, der das Haus von Grund auf sanieren ließ um dieses Kleinod der Hildesheimer Baudenkmäler zu erhalten.

Seit dem 04.August 2011 gibt es das Gasthaus im Brühl